Bluthochdruck und Gesundheit der Augen

Der Bluthochdruck ist ein ernsthafter Risikofaktor für Morbidität und Mortalität. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert den Bluthochdruck als systolischer Blutdruck über 140 mmHg und/oder diastolischer Blutdruck über 90 mmHg. In Deutschland sind etwa 35 Millionen Menschen davon betroffen.

Der Bluthochdruck kann die Augen beeinträchtigen, insbesondere die Netzhaut, die Aderhaut und den Sehnerv. Er ist ein Risikofaktor für die Entstehung von arteriellen und venösen Gefäßverschlüssen, arteriellen Makroaneurismen und nicht-arteriitischer anteriorer ischämischer Optikusneuropathie (AION). Außerdem steigert der Bluthochdruck das Risiko für die Entwicklung und die Progression von diabetischer Retinopathie, Glaukom und altersabhängiger Makuladegeneration (AMD).

Der Bluthochdruck präsentiert sich im Auge am häufigsten durch eine hypertensive Retinopathie. Je nach Schweregrad der Erscheinung klassifiziert sich die hypertensive Retinopathie in verschiedenen Stadien:

Keith-Wagener-Barker-Klassifikation (1939):

Stadium 1: Milde generalisierte Kaliberunregelmässigkeiten der Netzhautarterien und leicht vermehrter Venenfüllung

Stadium 2: Deutliche Kaliberunregelmäßigkeiten der Netzhautarterien und arterio-venösen Kreuzungszeichen

Stadium 3: Zusätzlich Netzhautblutungen, harte Exudate (Fettablagerungen in der Netzhaut), Cotton-Wool-Herde (weiße unscharf begrenzte Flecken, die auf Netzhautkapillarverschlüsse hinweisen)

Stadium 4: Zusätzlich Sehnervenschwellung

Klassifikation von Wong und Mitchell (2004):

Mild: Ein oder mehr von den folgenden Zeichen: generalisierte / fokale Reflex- / Kaliberunregelmässigkeiten der Arterien, arterio-venöse Kreuzungszeichen

Moderat: Ein oder mehr von den folgenden Zeichen: Netzhautblutungen (fleck-/punkt-/ streifenförmig), Mikroaneurismata, Cotton-Wool-Herde, harte Exudate

Schwer: Zeichen der moderaten hypertensiven Retinopathie plus Papillenschwellung

Die entsprechenden Krankheitsbilder der Schädigung der Netzhaut (Retina), Aderhaut (Choroidea) und des Sehnervs (Nervus opticus) sind häufig mit einander verbunden (hypertensive Chorioretinopathie).

Die hypertensive Choroidopathie wird meistens bei jüngeren Patienten mit Blutdruckspitzen beobachtet. Sie ist mit einer fibrinoiden Nekrose der Aderhautarteriolen charakterisiert, die in einer Minderperfusion der Choriokapillaris resultiert und zu einer fokalen Schädigung der tieferen Netzhautschichten durch Sauerstoffmangel führt.

In der Diagnostik der Augenhintergrundveränderungen beim Bluthochdruck werden verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt: Farbfotographie,

Fundusautofluoreszenz (FAF), Optische Cohärenz Tomographie (OCT), OCT-Angiographie, Fluoreszenzangiographie (FAG), Indozyaningrün-Angiographie (ICG).

Die erfolgreiche Behandlung des Bluthochdrucks und das Monitoring der hypertensiven Veränderungen im Augenhintergrund kann durch die Zusammenarbeit von Internisten / Allgemeinmedizinern und Augenärzten erreicht werden, sowie durch die ausführliche Aufklärung und Motivierung der Patienten.

 

 

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