Hashimoto, Gluten, Gastritis, Sodbrennen, Diabetes und weitere Antworten vom Ernährungsdoc

In einer aktuellen Folge der Ernährungsdocs (NDR Fernsehen) hat MEDIZINICUM-Experte Dr. Jörn Klasen wieder vielen Zuschauerinnen und Zuschauern wertvolle Hinweise zur Ernährungsumstellung geben können. Die Beiträge sind in der Mediathek verfügbar.

Neben dem TV-Beitrag konnten Interessierte auch Fragen im Chat stellen, die Dr. Klasen beantwortete. Hier die Dokumentation:

Sina: Ich habe Hashimoto und vertrage kein Gluten. Ich habe bei Ihnen gelesen, dass am besten zwei Mahlzeiten pro Tag wären. Ich habe leider trotz Zähneputzen ab und an Mundgeruch. Kann es sein, dass dieser durch Glutenverzehr oder lange Essenspausen entsteht?

Dr. Jörn Klasen: Wahrscheinlich hängt der Mundgeruch nicht mit Hashimoto zusammen. Eher könnte der Magensäuregehalt eine Rolle spielen.

Jule: Gelten bei Morbus Basedow dieselben Ernährungsempfehlungen wie bei Hashimoto?

Klasen: Ja!

Babsi: Was ist bei Kinderwunsch mit Hashimoto zu beachten?

Klasen: Wenn ein Kinderwunsch besteht, können Sie genauso vorgehen, wie wir es in der Sendung empfohlen haben.

Jule: Bei Autoimmunerkrankungen soll auf Kuhmilch (-produkte) verzichtet werden. Sind Schafs- und Ziegenmilch (-produkte) verträglicher und dürfen daher gegessen werden? Gilt dies auch für Kuhmilch (-produkte) in Bio-Qualität?

Klasen: Sie sollten nur auf das Trinken von Kuhmilch verzichten. Milchprodukte sind erlaubt. Gut ist, wenn Sie auf Bio achten.

Lisa: Ich trinke vor und direkt nach dem Essen um die 500 ml Magen-Darm-Tee, eine Mischung aus verschiedenen Kräutern wie Fenchel, Kümmel, Anis, Löwenzahn. Tue dies, weil ich hoffe, dass es meine Verdauung unterstützt. Nun heißt es in Ihrer Sendung, man solle nicht zu den Mahlzeiten trinken. Ich bin nun verunsichert. Habe regelmäßig starke Beschwerden mit Übelkeit, Blähungen und einer schwachen Verdauung. Esse genügend Ballaststoffe und wenig blähendes Obst sowie nur gekochtes Gemüse. Auch der Verzicht auf Milchprodukte ändert nichts. Sollte ich das Trinken von meinen Kräutertee lassen?

Klasen: Sie können zum Essen etwas trinken. Gut ist ein Glas Wasser oder ein einzelner ungesüßter Kräutertee, beispielsweise nur Fenchel, nur Löwenzahn oder nur Pfefferminz.

Pepe: Wie viele Wochen sollte man bei Sodbrennen den Leinsamen-Aufguss machen?

Klasen: Vier bis sechs Wochen.

Leckersche: Zum Thema Prädiabetes: Ich bin 50 Jahre alt, 178 Zentimeter groß und wiege 71 Kilogramm. Bin sportlich aktiv und habe alle Zuckerarten sowie Alkohol aus meiner Ernährung verbannt. Ich esse täglich 50 Gramm Haferkleie (morgens und abends jeweils 25 Gramm). Esse ballaststoffreich sowie kohlenhydratreduziert (meide Fruchtzucker) und nehme täglich Lein- und Algenöl zu mir. Trotz aller Anstrengungen (Sport und Ernährung) verändert sich mein Nüchtern- und Langzeitzucker nicht. Die Werte aus Dezember 2021 befinden Sie an der oberen Skala des Normbereichs: Blutzucker nüchtern 138 mg/dl, HbA1c 6,6 Prozent. Gleichzeitig ist mein Cholesterin seit Jahren erhöht: Werte im Dezember 2021: Cholesterin gesamt 276 mg/dl , HDL 48 mg/dl, LDL 196 mg/dl, Tryglyceride 95 mg/dl. Im nächsten Schritt würde ich eine diabetische Spezialpraxis aufsuchen, um den Grund der erhöhten Zuckerwerte herauszufinden (zum Beispiel Zuckerintolerenztest). Haben Sie noch Vorschläge, was ich noch tun kann?

Klasen: Sie machen in der Ernährung schon vieles richtig. Zu hinterfragen sind ihre sportlichen Aktivitäten. Was machen Sie an Sport, wie häufig? Ist Krafttraining dabei? Denn das wäre wichtig. Vielleicht ist da etwas zu verbessern. Sie sollten auf jeden Fall einen Diabetologen, aber auch einen Ernährungsmediziner aufsuchen.

Dany: Kann ich mich als Kassenpatient von einem Ernährungs-Doc untersuchen lassen?

Klasen: Sie sollten sich einen Ernährungsmediziner oder eine Ernährungsmedizinerin in ihrer Nähe suchen. Unter www.bdem.de finden Sie Adressen. Die meisten Ernährungsmediziner sind Kassenärzte.

Julia: Ist Intervallfasten bei Hashimoto und einer Nebennierenschwäche sinnvoll?

Klasen: Das kann sehr sinnvoll sein, aber Sie sollten es unter ärztlicher Begleitung machen.

Leeveke: Darf ich mit einen Reflux auch eine Haferkur machen?

Klasen: Das können Sie auf jeden Fall machen!

Grossmutter: Ich habe Sodbrennen wahrscheinlich auf Grund einer Hiatushernie. Dabei vertrage ich Eiweiß schlecht. Ich esse viel Gemüse und Kohlehydrate. Was kann ich zur Verbesserung tun?

Klasen: Essen Sie weniger Kohlenhydrate. Essen Sie nicht mehr nach 19 Uhr. Erhöhen Sie ihr Bettkopfende um 15 Grad.

Lars R.: Ist es bei der Haferkur unbedingt notwendig, die Haferflocken aufzukochen beziehungsweise quellen zu lassen, oder könnte ich die Haferflocken auch einfach mit zuckerfreier Hafermilch zu mir nehmen?

Klasen: Erst lassen Sie die Haferflocken in der Hafermilch drei bis fünf Minuten aufquellen. Dann können Sie sie problemlos essen.

Birgit K.: In der heutigen Sendung wurde bei der Hashimoto-Patientin gesagt: „Sie verzichtet auf Kuhmilch-Produkte.“ (Anm. d. Red., Zitat lautet: „Und anstelle von Kuhmilch gibt es Reis-, Mandel oder Kokosmilch.“) Dann isst sie zum Frühstück aber Quark. Was denn für Quark? Oder kann man hier eine Kuhmilch-Ausnahme machen? Ist Schaf-, Ziegenmilch oder Büffel-Mozzarella eine regelmäßig zu konsumierende Alternative? Wäre bei einer Gastritis abends auch ein leichtes Porridge erlaubt? Wie könnte das aussehen? Gekocht mit Milchalternativen oder besser Wasser? Mit zuckerarmen Blaubeeren?

Klasen: Kuhmilch sollte nicht getrunken werden. Milchprodukte – also verarbeitete Kuhmilch – sind erlaubt. Porridge, am besten mit Wasser, ist gut und dazu gerne Blaubeeren.

Lubos: Ich habe auch Hashimoto. Ich trinke sehr viel Heumilch mit 3,8 Prozent Fettgehalt vom Bauern aus dem Dorf. Verstehe ich es richtig, dass das nicht so gut ist?

Klasen: Das Beste ist, wenn Sie auf das Trinken von Kuhmilch in jeder Form verzichten. Milchprodukte, also verarbeitete Milch, sind möglich.

Achtsam: Ich bin 58 Jahre und habe seit vielen Jahren mit L-Thyroxin und Thybon behandeltes Hashimoto, dazu Fettleber, eine Gallenentfernung und einen Body-Mass-Index (BMI) von 31. Ich hatte bereits drei Divertikulitis-Schübe, die antibiotisch behandelt wurden. Meine Frage: Ist eine Corona-Impfung ratsam oder fördere ich damit einen Schub?

Klasen: Eine Impfung gegen Corona ist auf jeden Fall ratsam!

Uta: Ich habe Hashimoto und Wechseljahresbeschwerden. Ich ernähre mich jetzt seit zwei Wochen ohne Zucker, Wurst, Fleisch und ohne Gluten. Was ich allerdings nicht schaffe, ist zwei Mahlzeiten beim 16:8-Intervallfasten. Ich habe sehr niedrigen Blutdruck und falle ständig in die Unterzuckerung. Geht es auch mit 14 Stunden und ein wenig Joghurt und Beeren?

Klasen: 14 Stunden sind auch schon gut.

Mona: Ich habe Hashimoto. Ich habe meine Ernährung umgestellt und alles Mögliche versucht, wie zum Beispiel auf Milch verzichtet. Ich mache auch Sport, trotzdem nehme ich nicht ab. Leider kann ich keine sauren Früchte ab, die oft empfohlen werden, weil ich Magenschmerzen bekomme. Gibt es dazu Alternativen?

Klasen: Nehmen Sie weniger säurehaltiges Obst, etwa Blaubeeren, Äpfel oder Birnen.

Sonja: Ich habe vor Kurzem vom Hausarzt die Diagnose Hashimoto erhalten. Abgesehen von dem Medikament L-Thyroxin erhielt ich nur die Richtlinie „Finger weg von Jod“ und den Hinweis: „Gerne Selen zuführen, gegebenenfalls mit Nahrungsergänzungsmittel.“ Habe jetzt in einem Podcast gehört, dass das „Jod-Verbot“ veraltet sei beziehungsweise nicht für uns in Deutschland gilt. Was ist nun richtig? Sollte ich zusätzlich mal zum Endokrinologen?

Klasen: Sie sollten auf jeden Fall zum Endokrinologen gehen. Nehmen Sie keine Jod-Tabletten zusätzlich.

Sandra: Sie empfehlen in der heutigen Sendung der jungen Frau mit Typ-A-Gastritis Zitronensaft mit Wasser zu jeder Mahlzeit. Aber greift der Zitronensaft nicht die Magenschleimhaut gerade an? Ich habe auch eine Typ-A-Gastritis, aber kein Hashimoto. Meine Schilddrüse würde eher Richtung Überfunktion gehen.

Klasen: Die Säureproduktion ist bei der Typ-A-Gastritis verringert. Der Zitronensaft hilft der Verdauung. Und da er zum Essen getrunken wird, greift er auch nicht die Schleimhaut an, die auf viel stärkere Säure eingerichtet ist.

Birgit: Auch ich habe Hashimoto und vertrage keine Laktose. Anders als bei Denise im heutigen Fernsehbeitrag leide ich seit vielen Monaten unter Verstopfung. Ich spüre so gut wie nie Darmbewegungen. Nach fünf bis acht Tagen ohne Stuhlgang greife ich dann doch zu Abführtropfen (Laxoberal), Klistir-Lösung oder Zäpfchen. Ich bin 55 Jahre jung, wiege trotz allem nur 53 Kilogramm bei 1,62 Meter Körpergröße. Ich kann seit sieben Jahren aufgrund einer Fatigue nach Bestrahlung (Mamma-Karzinom) nicht mehr arbeiten, gehe zweimal pro Woche zum Reha-Sport, bin aber immer müde und schnell erschöpft. Meinen Sie, dass mir auch ein Verzicht auf Zucker und Gluten helfen kann?

Klasen: Ja, der Verzicht auf Gluten und die Einschränkung des Zuckerkonsums werden hilfreich sein.

Kerstin: Wenn man Hashimoto hat, soll man da wirklich auf Weizen wie etwa bei einem normalen Brötchen und auch auf Fleisch und Wurst verzichten?

Klasen: Ja!!!

Ann: Ich möchte abnehmen und habe nun gelesen, dass eine Low-Carb-Ernährung in diesem Fall sinnvoll sein kann. Jedoch wurde als Nachteil der Low-Carb-Ernährung genannt, dass ein Abfall der Gehirnleistung erfolgen kann, da es an Glukose fehlt. Ich studiere Jura und bereite mich auf mein Examen vor, was viel kognitive Leistung erfordert. Sollte ich in dieser Zeit von Low-Carb absehen?

Klasen: Die WHO empfiehlt einen täglichen Zuckerkonsum bis 25 Gramm (etwa zwei Esslöffel). Da ansonsten in den Lebensmitteln wie etwa Obst auch Zucker ist, werden Sie Ihr Examen auf jeden Fall bestehen.

Rosi: Ich finde Ihre Rezepte toll, mag aber keinen Fisch. Ich nehme Omega-3-Öl zum Frühstück. Gibt es für den Fisch eine Alternative?

Klasen: Schade, dass Sie keinen Fisch mögen! Eine Alternative zu Fisch könnte Fisch- oder Algenöl sein.

Claudia: Ich leide an stillem oder Atemwegsreflux. Das äußert sich vor allem durch Halsschmerzen, ständig verschleimten Hals und laufende Nase. Eine Umstellung auf eine Ernährung mit unter anderem wenig beziehungsweise keinem Fleisch, säurearmem Gemüse und Obstsorten und Porridge statt Brot und Brötchen hat nichts gebracht. Inzwischen habe ich auch bei Porridge Sodbrennen. Zucker versuche ich, so gut es geht, zu vermeiden. Bei Stress greife ich aber immer noch zu Süßigkeiten. Ich habe das Gefühl, es wird immer schlimmer. Ernährungstagebuch habe ich geschrieben, aber den roten Faden, was geht und was geht nicht, habe ich nicht gefunden. Was kann ich noch tun?

Klasen: Sie sollten mit Ihrem Ernährungsprotokoll zu einem Ernährungsmediziner gehen. Den finden Sie unter: www.bdem.de (Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V.)

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