Mein jährlicher Check-up

Mein jährlicher Check-up

Erfahrungsbericht eines Patienten

Der Bildschirm wirft ein blaues Licht auf Doktor Ahmadis Gesicht. Er blickt ernst in seinen Computer. Zu ernst, wie ich finde. Wir sitzen in seinem Besprechungszimmer. Ich soll die Ergebnisse meines jährlichen Check-ups erfahren. Mit jeder Zahlenreihe die Dr. Ahmadi auf dem Monitor verfolgt, bildet sich eine weitere Falte auf seiner Stirn. Ich beobachte ihn so konzentriert, wie er die Zahlen. Er setzt an etwas zu sagen, es folgt jedoch nur ein schweres Ausatmen. Er betrachtet noch immer den Bildschirm, presst die Lippen aufeinander, räuspert sich. Wer von uns beiden sieht gerade besorgter aus, frage ich mich? Dann lehnt sich Dr. Ahmadi zurück. „Ja, Herr Goldammer, sagt er, das ist jetzt kein Grund zur Panik, aber ich glaube Sie müssen da aktiv werden.“ Kein Grund zur Panik? Wenn man von einem Arzt aufgefordert wird, nicht in Panik zu verfallen, klingt das in meinen Ohren wie ein 1 A-Grund panisch zu reagieren. Ärzte können sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, dass man innerhalb einer Nanosekunde in eine milde Variante der Schockstarre fallen kann und nur noch ein weißes Rauschen vernimmt. Durch dieses dumpfe Brummen höre ich vereinzelte Worte und Satzfetzen: „viel Bauchfett“, „zu hoher Anteil an Vizeralfett“, „bedrohliche Hormonausschüttungen“, „Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, „Schlaganfall-Risiko“, „Bluthochdruck“, „Tabletten notwendig“.

Zwischen all dem sehe ich: ein Lächeln, beschwichtigende Handbewegungen, verständnisvolles Kopfnicken. Ich glaube, dass ich in dieser Zeit sehr profund über die möglichen Folgen meines „Übergewichtes“ und meines „Bluthochdrucks“ aufgeklärt wurde. Wirklich zugehört habe ich nicht. Da war, ich erwähnte es bereits, das weiße Rauschen in meinen Ohren. Am Ende lächelte Dr. Ahmadi wieder und nickte mir aufmunternd zu. Doch an mir prallen in diesem Moment alle Nettigkeiten ab. Ich will nur eines wissen: Wie ernst ist die Lage? Ja, der Blutdruck war immer an der Grenze, aber Tabletten – musste ich noch nie nehmen. Obwohl, in diesem Augenblick spüre ich ihn – den hohen Bluthochdruck. War mein Kopf rot wie eine Tomate?

Dr. Ahmadi schreibt mir ein Rezept aus, für einen Blutdruck-Senker. Er spricht mit ruhiger Stimme, empfiehlt mir seiner Kollegin, die Ernährungsberaterin. Er redet von den Folgen der Adipositas, fragt mich, ob es ein Sport gibt, der mich interessieren würde. Nein denke ich, sage aber: „Ja“, und ringe mir ein Lächeln ab. Wir erheben uns, schütteln die Hände. Mir wird plötzlich klar: Dieser Arzt ist ernsthaft besorgt. Ein weiterer Grund in Panik zu verfallen, finde ich. Bisher hat sich noch kein Arzt um mich gesorgt. Das bereitet mir Sorgen. Ernsthaft. Das ist das Wort, das sich heute bei mir einbrennt: ernsthaft. Früher, (wie schnell man in der Vergangenheitsform denkt) da war das Wort, was nach dem Check-up bei mir hängen blieb: sollte. Sie sollten abnehmen. Ich sollte auf meinen Blutdruck achten. Jetzt musste ich. Ein fremdes, unangenehmes Gefühl. Hätte er mir seine Erkenntnisse autoritär, barsch, drohend oder vorwurfsvoll vorgetragen, wie leicht wäre es gewesen, das Gespräch abzutun. Doch so sollte ich nicht nur akzeptieren, sondern musste es.

Ich bedankte mich artig und verließ das Medizinicum am Stephansplatz. Als ich in der nächsten Apotheke widerwillig die verschriebenen Blutdrucksenker kaufte, fühlte sich die Packung in meiner Hand an, als würde ich einen Frührentnerbescheid in den Händen halten. Jetzt war ich also alt, dachte ich. Wenn man mich zum Beispiel das nächste Mal beim Zahnarzt fragen würde, ob ich regelmäßig Medikamente nehme, müsste ich antworteten: Ja, Blutdrucksenker. Ich hatte vor einiger zeit gelesen, dass 33 % der Patienten die verschriebenen Medikamente nicht einnehmen. Würde einer mehr statistisch ins Gewicht fallen? Wahrscheinlich nicht, aber so verrückt war ich auch wieder nicht. Brav nahm ich meine Tabletten. Und das hatte sein Gutes. Dass der Blutdruck sank, war zu erwarten. Aber es gab noch eine zweite Wirkung: Jeden Tag wurde ich daran erinnert, dass ich etwas für mich tun muss, wenn ich die Tabletten wieder loswerden will.

Mein neuer Lebensplan

Ich ging zur Ernährungsberatung im MEDIZINICUM. Probierte verschieden Arten der Ernährung. Aber, das Hüftgold schmolz nicht, auf der Waage passierte gar nichts. Abnehmen wird mit den Jahren schwerer, meinte die freundliche lächelnde Ernährungsberaterin. Meine schlechte Laune stieg. Doch immer, wenn ich keine Lust mehr hatte, war da am Morgen der Moment, wo ich die Tablette durch die silberne Folie in meine Hand drückte. Dranbleiben sagte ich mir, mit dem Blutdrucksenker in der Hand. Ich machte weiter, probierte wieder etwas Neues aus und wieder. … Einige Wochen später hatte ich im MEDIZINICUM das, was mein Segelfreund als „die große Hafenrundfahrt“ bezeichnete. Meine erste Darmspiegelung. Auch kein Ereignis, auf das man sich riesig freut. Schon gar nicht, weil es bedeutete, drei Tage nüchtern bleiben. Ich erwartete die Hölle. Doch zu meiner Verwunderung landete ich nicht im Reich des Teufels. Im Gegenteil: Ich fühlte mich besser als sonst: klarer im Kopf, unbeschwerter. Freiwillig hängte ich zwei Fastentage hintendran. Verlor einiges Gewicht, aber, was viel wichtiger war: der Heißhunger verschwand. Ich kaufte mir Bücher über das Fasten. Begann mit Interimsfasten. Nun war es keine Diät mehr, sondern eine echte Ernährungsumstellung begann. Die quälenden Heißhunger-Attacken verschwanden. Ich konnte weniger essen – ohne für mich und andere unerträglich zu werden.

Ein gutes Jahr später

Der Jahrescheckup im MEDIZINICUM stand an. Dr. Ahmadi ging im Gang an mir vorüber, ohne mich zu erkennen. Ich hatte mittlerweile mehr als 15 Kilo abgenommen. Dass mich Leute auf den ersten Blick nicht erkannten, war ich gewohnt. Als er mich wieder in seinem Sprechzimmer begrüßte, schaute er zweimal in meine Akte, ob der richtige Patient vor ihm saß. „Sie haben ja eine völlig andere Silhouette bekommen“, sagte er verblüfft. Auch die Werte auf seinem Bildschirm waren nicht wiederzuerkennen. Deutlich geringerer Bauchumfang, weniger Vizeralfett, Blutdruck normal – ohne Blutdrucksenker. „Das freut mich aber sehr, dass Sie sich meinen Rat zu Herzen genommen haben“, sagte er und strahlte. Auch Ärzte brauchen Erfolgserlebnisse, dachte ich in diesem Moment. Er betrachtete wieder die Zahlen auf dem Bildschirm. „Ihre Geschichte würde ich gern meinen anderen Patienten zukommen lassen“, er lächelte wieder, „könnten sie die nicht aufschreiben, sie sind doch Autor?“ Bester Laune aufgrund der guten Untersuchungsergebnissen willige ich ein. Eine Viertelstunde später verfluche ich mich. Meine Krankheitsgeschichte aufschreiben? Einfach nur peinlich. Wer will schon die Geschichte eines Gesundheitsstrebers lesen? Für eine gute Geschichten braucht man eine dramatische Wende. Erst halb krank, dann dreiviertel gesund, da fehlt das Drama. Ich überlege mir drastischere Wendungen meiner Geschichte. Nach dem nächsten Check-up könnte ich vor dem MEDIZINICUM überfahren werden. Am besten von einem Laster, der Paletten voller Blutdrucksenker transportierte. Aber das passiert nicht. Und mein altes Gewicht schwinge ich auch nicht wieder auf die Waage. Die Geschichte bleibt erzählerisch unbefriedigend. Das Leben schreibt eben nicht immer die besten Geschichten. Manchmal schreibt es auch langweilige Stories. In diesem Fall bin ich sehr dankbar dafür.

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